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  Tomi Ungerer

Ich habe meine Heimat, kein Vaterland. Ich sage auch immer >Ich bin Elsässer<, nicht Franzose und auch nicht Deutscher", so Tomi Ungerer. Er muss es wissen, denn er ist der Elsässer par excellence. Wie kein zweiter hat der populäre Cartoonist die wechselvolle Geschichte seiner Heimat als Prellbock zwischen Deutschland und Frankreich in sich aufgenommen und künstlerisch verarbeitet.
Tomi Ungerer wuchs zur Zeit der deutschen Besatzung im Elsaß auf. Als 14jähriger zeichnete er Hitler in einem Kinder-Kartenspiel, und im Laufe seines Lebens hat sich seine Sicht auf die Mächtigen nicht grundsätzlich geändert. Vorurteilsfrei und augenzwinkernd betrachtet er die Menschen.
Der bewegte Lebenslauf des Künstlers führte nach New York und nach Hamburg, schließlich nach Irland und zurück ins Elsaß, das über Jahrzehnte zugleich Zankapfel und Bindeglied zwischen den misstrauischen Nachbarn am Rhein war und das "ein Europa in verkleinertem Maßstab ist", so beschreibt es Tomi Ungerer. Der "Euromane", eine der imponierendsten Zeichnerpersönlichkeiten dieses Jahrhunderts, thematisiert in der Ausstellung das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland und charakterisiert es auf seine ganz persönliche Art und Weise mit Feder und Pinsel. In seinen phantasievollen und effektvollen Zeichnungen mischen sich genaue Beobachtungsgabe mit treffendem Spott, Amüsement mit Philosophie und Scharfsinn mit Melancholie.


(Quelle: Deutsches Historisches Museum)
H,I  wie Heimat/Irland
Na da geht es weiter, diese Obsession von neuen Produkten, neuen Produkten, neuen Ideen, jeden Monat, ich habe das ganz satt, ich will nichts, nichts damit zu tun haben, und deshalb rede ich dann wieder und wieder von Irland... Irland ist jetzt wirklich meine Wahlheimat, Wahlheimat, nicht Vaterland, Vaterland kommt mit einer Fahne und einem Gewehr, das will ich nicht, aber Heimat, das ist Heim, da ist etwas Mütterliches bei, und wenn man Heimat sagt, dann hat man Gefühle, und die Heimat hat eine Seele, ich glaube, das Vaterlandkonzept hat keine Seele.

(Quelle: arte.tv)

Mein Elsaß

Ein "No Man's Land" zwischen Frankreich und Deutschland mit zerspaltener Identität im Pendeln eines endlosen Hin und Her. Wie eine Toilette: immer besetzt und besessen. Was bin ich? Und jetzt! Ein Brückenkopf zwischen den Kulturen. Das Elsaß: eine schön geheilte Wunde auf der Karte Europas.

T.U.

Les Allemands / Die Deutschen

Die Deutschen oder Teutonen bleiben, wie sie sind, die Elsässer bleiben, was sie sind, die Franzosen auch. Gäbe es keine Volkscharakteristik, dann wären die Menschen langweilig gleich - und ich als Satiriker arbeitslos. Einmal in einer Bierstube in München beobachtete ich einen typischen Gast. In meinem Notizbüchlein beschrieb ich ihn mit einem Wort: "Ein Topfgesicht".

T.U.


Herr Ungerer, Ihre Bilderbücher über Sexmaniacs, Lustmaschinen und Dominas sind legendär. Daneben haben Sie die Geschichte von der guten Schlange Crictor erfunden oder den Teddybären Otto: Bücher für Millionen Kinder.

Das hängt zusammen. Würden die Menschen nicht bumsen, gäbe es keine Kinder. Ich zeichne das Bumsen und die Kinder.
(..aus einem Interview mit Peter Von Becker auf PNN online)

 

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