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  11.08.1999 12.45 Uhr

- ein Zentralgestirn verfinstert sich.

Es war ein fast mythischer Augenblick.
 
Regenwolken hatten immer wieder das seltene Geschehen am Himmel verdeckt und drohten bis zuletzt, den Höhepunkt der Sonnenfinsternis den Blicken der harrenden Menschen zu entziehen.
Von überall her waren Sonnenfinsternishungrige an diesen Ort im Südwesten Deutschlands gepilgert, der inmitten der so genannten Kernschattenzone des Mondes lag. 

Den ganzen Tag über hatten sich unzählige Menschen vereinzelt und in Gruppen auf der Suche nach einem freien Ausblick durch die kleine Stadt bewegt.
Zeitungsberichten zufolge sollten sich  zum Beispiel in der Stadt Karlsruhe eine halbe Million Schaulustige eingefunden haben.
 
Gegen 9.12 Uhr hatte der Neumond begonnen, die Sonne allmählich auszulöschen. Ein Vorgang, der immer wieder hinter einem grauen Wolkennebel verschwand.
Die Spannung wuchs, würde die Totale überhaupt zu sehen sein?
Den Ankündigungen zufolge wäre es um 12.32.43 Uhr soweit. Der Mond würde sich seiner astronomischen Bestimmung folgend, vor die Sonne schieben und sie für einige Augenblicke zur Gänze verdecken.

Und dann geschah es:
Der Wolkenschleier wich wie einem geheimen Kommando folgend zur Seite.
Die pechschwarze Scheibe des Mondes bedeckte nun völlig die Sonne. Über seinen Konturen schwebte helles Licht, zuckten leuchtend rote Bänder. 
Kein Laut war zu hören.
Still und leer lagen die Straßen in der seltsamen Dämmerung des kosmischen Ereignisses. Es war, als würde die Natur für einen Augenblick der Kontemplation andächtig innehalten.

Der wohl schönste Moment trat ein, als sich der Mond der flüchtigen Liaison entwand, und helles, diamantfarbenes  Licht über seinen Konturen urplötzlich aufblitzte.
Dann löste sich der Mond unablässig von dem wieder hell aufleuchtenden Sonnenkörper.
Die faszinierende Totale hatte nur knapp 2 Minuten gedauert. 

Um 13.55 Uhr war alles vorbei, die Sonne war wieder frei und das Leben kehrte, abgesehen von den durch die rückreisenden Sonnentouristen verursachten kilometerlangen Staus, zur Normalität des Alltags zurück.

Doch vielleicht dachte in diesem Augenblick so mancher Beobachter des faszinierenden Geschehens an die Menschen vergangener Epochen, die in Unkenntnis der wissenschaftlichen Fakten einer Sonnenfinsternis mit Angst und Ehrfurcht begegneten.
Und ein wenig von dieser „Ehrfurcht“  hatte sicherlich auch uns, doch als so aufgeklärt geltende Zeitgenossen, im Moment des magischen Geschehens erfasst.

"Nie in meinem ganzen Leben war ich von Schauer und Erhabenheit so erschüttert wie in diesen Minuten, es war nicht anders, als hätte Gott auf einmal ein Wort gesprochen und ich hätte verstanden!"
Adalbert Stifter, 1842, nach dem unmittelbaren Erleben einer Sonnenfinsternis

Vollständiger Text  bei:  www.eclipse1999.de

 

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