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  Money, money..
- oder was die Mäuse so alles treiben

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.ja, was treiben die denn?!
Sie rasen in Lichtgeschwindigkeit um den Erdball, ohne dabei geographische oder politische Grenzen zu akzeptieren. 
Auch das kulturelle Umfeld, in dem sie sich bewegen, ist ihnen einerlei.
Im Strom der anonymen Zahlenkolonnen treiben sie unentwegt vorwärts, und ihr Dasein scheint aseptisch und völlig „geruchlos“.
Selbst nur Träger einer imaginären Identität, körperlich fast bedeutungslos, besitzen sie allein den Wert, den eine Gesellschaft ihnen beimisst. 

Diese monetäre Errungenschaft der ökonomischen Evolution finanziert Kernreaktoren, Rüstungsmittel aber auch  Krankenhäuser, Existenzgründungen und vieles mehr.

Unter dem Blickwinkel ethischer Ambitionen ist eine Einordnung ihres Treibens äußerst schwierig.
Man mag es kaum glauben, aber der schnöde Mammon muss wohl als amoralisch bezeichnet werden. 

Mannigfaltig sind die philosophischen und religiösen Bemühungen, allgemeingültige ethische Normen zu begründen.
Und genauso vielfältig zeigen sich die unterschiedlichen Lösungsansätze.
Aber letztlich wird wohl, aufgrund der völlig verschiedenen Auffassungen, jedweder Versuch zu kurz geraten, um eine allumfassende Definition ethischer Normen aufzustellen.

Dieses Dilemma wirkt sich selbstredend auch auf die Betrachtungen im ökonomischen Bereich aus.

Für alle Bereiche gilt, dass ethische Grundsätze untrennbar mit gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Befindlichkeiten verbunden sind.
Staatsverfassungen, Traditionen und gesellschaftliche Übereinkünfte bestimmen Werte und schreiben vor, was als ethisches Handeln zu gelten hat.
So kommt es, dass die Grundsätze, die das gemeinschaftliche Leben bestimmen und auch den Umgang mit den Zahlungsmitteln regeln, je nach gesellschaftlichem und religiösem Selbstverständnis, teilweise sogar enorm voneinander abweichen können!

Aber bedeutet dies nun im Umkehrschluss einen völlig bedenkenlosen
Einsatz der ökonomischen Mittel?
Die imaginäre Aufforderung, nur tapfer einem schrankenlosen Neokapitalismus zu frönen?!
Ein entschiedenes „Nein!“ sei hier die adäquate Antwort!

Denn zu offensichtlich sind die negativen Folgen von grenzenlosem Gewinnstreben, sind die destruktiven Auswirkungen rücksichtlosen wirtschaftlichen Handelns.
Die gilt in besonderem Maße auch für die Auswirkungen ökonomischen Gebarens
auf Natur und Umwelt.
Und man muss kein Verfechter marxistischer Theorien sein, um genügend Zündstoff und Ungerechtigkeiten in dem nach, kapitalistischen Maßstäben funktionierenden
Wirtschaftsystem zu entdecken.
So findet z.B. durch den Zinseszins eine finanzielle Umschichtung statt, von der nach einschlägigen Berechnungen nur diejenigen profitieren, die bereits genügend Kapital angesammelt haben (als Grenze gelten ca. 300.000,- DM).
Auch führt die sogenannte
Externalisierung der Produktions- und vor allem Entsorgungskosten an die Gesellschaft, das heißt die sprichwörtliche Abwälzung von Ausgaben auf die Allgemeinheit, zu Verzerrungen des tatsächlichen Preises eines Produkts.

Nun ist jegliches menschliche Handeln und respektive die Produktion von Wirtschaftsgütern mit mehr oder weniger massiven Eingriffen in die Umwelt verbunden.
Auch ist es sicherlich richtig, dass sich ökologische Prozesse durch ein gewisses Maß an fehlender Transparenz auszeichnen. Langfristig negative Wirkungen sind nicht immer sofort erkennbar.
Dennoch macht es natürlich einen Unterschied, wessen Gedankens Kind Produktionstechniken und Handlungen sind. So ist es selbstverständlich von Bedeutung, welche Produktionsformen man verwendet wie die Entsorgung geregelt, wie bewusst mit Ressourcen
umgegangen wird, und wie sich das Unternehmen gegenüber seinen Mitarbeitern verhält.

Nicht nur systemtheoretische Ansätze belegen die Tatsache, dass ökologisch ausgerichtete Veränderungen im Marktprozess, selbst nur durch wirtschaftliches Handeln bzw. das dafür vorgesehene  Instrumentarium veranlasst werden können.
Dies bedeutet anderseits, dass eine Umlenkung von Investitionen auf umweltgerechtere Produktionstechniken (Kreislaufwirtschaft etc.), des ausdrücklichen Engagements des Investors bedarf.
Der Maßstab für den Einsatz seines Kapitals sind die Kriterien des Investors selbst, er muss und kann entscheiden, wem er sein Geld zur Verfügung stellen will.
Und er trägt somit auch die Verantwortung dafür, was die Mäuse so alles treiben.
Selbstverständlich obliegt es dem Gesetzgeber, administrative Rahmenregelungen zu bestimmen, welche ein entsprechendes Klima schaffen.
Doch die Entscheidung über Markt und Kapital treffen die Endverbraucher und Investoren.
Obwohl, oder gerade weil natürlich keine „invisible green hand“ des Marktes existiert, kann der einzelne doch, durch bewusstes Handeln, seinem kleinen Kapitalrinnsal einen Weg in die ökologisch und sozial verträgliche Richtung bahnen.
Und bekanntlich können viele kleine Wasserläufe, sofern sie sich bündeln, irgendwann einen ausgewachsenen Strom gebären.

Aber konkret gefragt, wohin nun mit den Mäusen?
Der nachdenkliche
Investor sieht sich einem breiten Spektrum gegenüber.
Es reicht vom ökologischen „Märtyrer“ mit Zinsverzicht bis hin zum schnöden Kapitaljäger mit ethischen Scheuklappen.

Betrachtet man die Geschehnisse auf den Kapitalmärkten im Lauf des letzten Jahres, zeigt sich ein absurdes Bild.
Schien doch im letzten Jahr der neue Markt den Eindruck zu erwecken, als wäre die Zeichnung eines Aktienkontingents, vor allem bei Neuemissionen, gleichbedeutend mit dem Erwerb eines Goldesels! Alle wollten reich werden binnen kürzester Frist.
Was die betreffenden Firmen herstellten, wie sich das Management gegenüber Umwelt und Belegschaft verhielt, war völlig egal, Hauptsache die börsenotierte Performance war in Ordnung!
Die monetäre Welt geriet geradezu in Ekstase bei ihrem zynischen Tanz auf den Vulkankegeln der
 Aktienindices.
Doch bald kam das böse Erwachen. „Blauäugige“ Kapitalgeber gingen so manch vollmundigem Versprechen auf den Leim: Aber eine rhetorische Glanzleistung während einer Pressekonferenz oder prestigeträchtige Auftritte vor den geheiligten Mauern der Frankfurter Börse, ersetzen nun mal kein substanzielles Konzept.

Ernüchterung ist derweil eingekehrt.

Nun, in den letzten Jahren hat sich auch das Marktsegment
der „grünen“ Investitionen munter entwickelt.
Im Angebot steht es dem „konventionellen“ Bereich in nichts nach: Vom Sparbuch mit Zinsverzicht bis zur spekulativen Aktie wird alles angeboten.
Sogenannte Ökofonds gibt es  zuhauf. Und deren Performance lassen aus Renditeerwägungen durchaus nichts zu wünschen übrig.

Doch auch oder gerade hier gilt es, genauer hinzusehen:
z.B. hat jeder Fonds seinen mehr oder weniger strengen Anforderungs- und Kriterienkatalog in „ethischer“  Hinsicht, der sehr unterschiedlich ausfallen kann. Auch hier muss sich der Kapitalgeber wieder einmal selbst ein Urteil bilden: Informationen beschaffen, Tätigkeits- und Firmenprofile durcharbeiten. Kein leichtes Unterfangen.

Fazit: Mit grünem „Gewissen“ lässt sich durchaus auch Geld verdienen.
Doch bestimmen allein die Kriterien des Kapitalgebers über den Einsatz des Geldes.
Ihm obliegt die Mühe der Recherche.
Die ethische Verantwortung ist individuell, wird von der Überzeugung und den Handlungsmaximen des Einzelnen getragen, welche eventuell gesellschaftliche Gruppen formen und beeinflussen. 
Die Entscheidung über den Einsatz unseres Geldes kann uns niemand abnehmen, leider.
 

Weiterführende Links zum Thema
"ethisches" Investment:
ABS-Bank, Schweiz:  http://www.abs.ch/
- aus dem Land der Gnomen
GLS-BANK, Bochum:   http://www.gls.de
- Geben, Leihen, Schenken
Oeko-Invest:     http://www.oeko-invest.de/
- Börsenbrief für ökologische Anlagen

 

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