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THEMEN: Landesjubiläum
 25.04.2002 - Tanz mit dem goldenen Hirsch...
 
(Fortsetzung)
Jubiläum [...] Die Verfassunggebende Versammlung des neuen Landes wurde am 9. März 1952 gewählt. Die CDU war stärkste Partei mit 50 Mandaten, die SPD hatte 38, die FDP 23, der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) sechs und die Kommunisten vier Mandate. Nachdem die »Fronten« damit geklärt waren, entbrannten in der Verfassunggebenden Landesversammlung die Debatten um die Gestaltung des neuen Staatswesens

Der »schwarze Freitag«

Seit Ende März 1952 rückte die Frage »Wer wird Ministerpräsident?« in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Bemühungen der CDU, eine Große Koalition zustande zu bringen, scheiterten an der SPD, und auch die FDP/DVP war nicht für eine Koalition zu gewinnen. 

Was dann geschah, setzte der turbulenten Südweststaat-Bildung die Krone auf: Am 25. April 1952, dem Tag, der in die Geschichte der CDU als »schwarzer Freitag« einging, bildete Reinhold Maier Punkt 12.30 Uhr handstreichartig die neue Landesregierung aus FDP/DVP, SPD und BHE und schickte seinen Mitstreiter von früher, Gebhard Müller, mit der stärksten Partei im Landtag in die Opposition. Müller war schwer enttäuscht. 

Franz Gurk, damaliger Vorsitzender der CDU-Fraktion, kündigte in einer mehrfach von Zwischenrufen unterbrochenen Rede dem neuen Ministerpräsidenten und der von diesem – »man dürfe wohl sagen widerrechtlich« – gebildeten Regierung schärfste Opposition an. Ein Großteil der Wähler sei vom Aufbau des neuen Bundeslandes ausgeschlossen. Das erste Beispiel der Neubildung eines Bundeslandes nach dem Grundgesetz sei jetzt schon zum Misserfolg geworden. 

Unmittelbar nach der Sitzung schickte die CDU-Fraktion ein Telegramm an den Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Bonn, in dem sie gegen die staatsrechtlich unzulässige Regierungsbildung protestierte und gemäß Art. 28 des Grundgesetzes um Einschreitung der Bundesregierung zur Herbeiführung der verfassungsmäßigen demokratischen Ordnung im neuen Bundesland bat. Aber ohne Erfolg. Reinhold Maiers »Taschenspielertrick« war jedoch nur von kurzer Dauer. 1953, nach der Bundestagswahl, räumte er seinen Sessel in der Villa Reitzenstein für seinen CDU-Kontrahenten. Gebhard Müller bildete – ganz nach seinem Politikverständnis – eine Allparteienkoalition zur Schöpfung der Verfassung und zum Aufbau des Landes. Am 11. November 1953 verabschiedete die Landesversammlung die Verfassung. - [...]
Quelle Landeszentrale für politische Bildung 

..Diese Vorgänge, zusammen mit einer Verschleppung der Volksabstimmung, sind es u.a., die nicht nur so manchem „Altbadener“ immer noch etwas bitter aufstoßen.
Ohne Zweifel ist daher die Haltung nicht nur von ganz eingefleischt „Badischen“ zum Landesgeburtstag eher zwiespältiger Natur.
So ganz lassen sich halt die gegenseitigen Ressentiments nicht beiseite räumen.
Und immer wieder sorgen, gelinde formuliert, unverständliche und als ungerecht empfundene Entscheidungen aus Stuttgart für Irritationen oder gar Empörung im badischen Landesteil.

Die Behandlung des Karlsruher Privatsenders die „Welle“ durch die Landesanstalt für Kommunikation (LfK) sowie die mangelnde politische Bereitschaft des Landes das Projekt Karlsruher-Messe adäquat zu unterstützen, müssen wohl als traurige Belege für diese Tatsache angesehen werden. 
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, kann nur eine gerechte Behandlung aller Landesteile in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht Missstimmungen und Irritationen verhindern.
Unbedingt von Nöten ist hierbei eine Transparenz jeglicher Entscheidungsfindung!
Allerdings ist aus badischer Sicht Patriotismus um des Patriotismus willen genauso wenig angesagt wie unmotiviertes Gezeter.
Überhaupt das viel zitierte Weh und Ach im badischen Lager. 

Liegt dies vermeintlich regelmäßige „Gejammer“ wirklich am mangelnden Selbstbewusstsein der Badener, wie es der Politologe Paul-Ludwig Weinacht unlängst in einem Artikel der Badischen Neuesten Nachrichten zu Bedenken gab? Ja, unterstellt nicht gerade ein solcher Denkansatz Minderwertigkeitskomplexe in der badischen Seele?

Der besagte Politologe, selbst Badener, hat übrigens gerade ein Buch herausgeben, welches den vielsagenden Titel „Badische Regionen am Rhein. 50 Jahre Baden in Baden-Württemberg. Eine Bilanz“ trägt.


PS: Gerade sorgt die Veröffentlichung der offiziellen Festschrift des Landes zum 50-jährigen Jubiläum "Baden-Württemberg - Vielfalt und Stärke der Regionen" für gehörigen Wirbel im Reiche der Briganden. Die darin enthaltene Analyse von Professor Klaus-Jürgen Matz über die historische Entwicklung und aktuelle Stellung der Fächerstadt hat eine öffentliche Kontroverse  über die von dem Verfasser vertretenen Thesen ausgelöst. 

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