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  Infight
- das nicht immer ungetrübte Verhältnis von Badenern und Schwaben


Aus heutiger Sicht erscheint die sogenannte Badenfrage als reiner Anachronismus.

In Zeiten von Globalisierung und weltweiter Vernetzung klingt ein solches Wort wie infantile Kleinstaaterei.
Auf dem europäischen Boden rücken die Staaten immer enger aneinander, doch im Schatten des Euros sprießt noch so manch seltsames Pflänzchen latent vorhandener Autotomiebestrebungen.

Betrachten wir das Verhältnis von Badenern und Schwaben, so nimmt der Disput zwischen Bekennern und Verleugnern der „badischen Benachteiligung“ teilweise groteske Formen an.
Hier wird dem Schwaben eine regelrechte Verschwörung, zum Nachteil des vermeintlich „kleinen Bruders“, vorgeworfen. Dort kontern aufgeschreckte Zeit- genossen politischer Prominenz, in dem sie der anderen Seite „landsmannschaftliches Verhalten“ unterstellen.

Oder es wird, wie im Frühjahr letzten Jahres geschehen, ein Pamphlet präsentiert, welches mit statistischer Perfidie eine vermeintliche Übervorteilung des badischen Landesteils als völlig abwegig erklärt.
Ein buntes Kaleidoskop von Animositäten, Großmannssucht und Komplexen tut sich auf.

Auf allen Gebieten wird dieser schwelende Konflikt ausgetragen.
Verbal polemisch in der Öffentlichkeit, vor allem zu Zeiten Wahlkämpfe, intern in Verwaltungsetagen und manchmal auch auf dem Fußballrasen.
Ja, gerade die viel beachteten „Derbys“, also Spiele zwischen, wie auch immer gearteten Nachbarn, erzeugen eine heitere und ausgeglichene Atmosphäre und eignen sich in hervorragender Weise zum Austausch gegenseitiger Sympathiekundgebungen.
Leider wird dieses Ereignis, zumindest auf höchster deutscher Spielebene, dem Südweststaat so bald nicht mehr zu Teil.
Denn in, gelinde gesagt, fast beschämender Manier, verabschiedete sich der KSC in der Saison 97/98 aus den Reihen der deutschen Fußballelite.
So manch scharfzüngiger Zeitgenosse hatte damals eine schwäbisch-pfälzische Konspiration ausgemacht, deren Tun nicht eher ruhen würde, bis aus dem (einstigen) blau-weißen Vorzeigeclub aus Baden ein biederer Provinzverein geworden sei.
Die Ereignisse ließen in der Tat diese Vermutung zu, die Art und Weise allerdings, wie dies geschah, wohl weniger.
In diesem Zusammenhang sei auch an das Wirken des ehemaligen Trainers des KSC, Winfried Schäfer, erinnert. Als ausgewiesener Verfechter der badischen Sache wurde er nimmer müde,
bei jeder Gelegenheit, z.B. die mangelnde Präsenz des badischen Landesteils in den Medien zu kritisieren.

Bekannt als  Liebhaber regionaler Weine, legte er dereinst in Form des „Badnerliedes“ als Vertragsbeilage, seinen Spielern die gelb-rote Sache ans Herz.
Mehr noch, er quittierte beim badischen Vertreter seinen Job, um im Dienste der Völkerfreundschaft zwischen den ungleichen „Brüdern“ zu vermitteln.
Er konvertierte mit Hilfe seines Mentors Gerhard Maier-Vorfelder zum VfB Stuttgart um, in schier selbstverleugnender Weise, dem Gedanken einer  „inner-baden-württembergischen“ Aussöhnung dienlich zu sein.
Allerdings dankte es ihm ein Teil der Schwaben schlecht. In Verkennung seines ehrenvollen Auftrags, kritisierten sie von Anfang an seine aufopferungsvolle Arbeit.
Und als das Schiff des VfB in die Turbulenzen des Fußballozeans geriet, musste der ungeliebte Kapitän schließlich ohne Mannschaft von Bord.

Aber kehren wir zur Auseinandersetzung um die „Badenfrage“ zurück.
Betrachtet man die Hintergründe dieses Konflikts, so entspringen, wie so häufig,  Ressentiments und Ängste aus einem gemeinsamen historischen Erbe, aus Wunden und Versäumnisse der Vergangenheit.
So ist der Weg der drei Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern  den Südweststaat ein beredtes Beispiel für Machtinteressen und politisches Kalkül.

Angeführt sei  hier nur das gar seltsame Gebaren der damals in politischer Verantwortung Stehenden und auf die jahrelange Verschleppung der zweiten Abstimmung über den Südweststaat, welche durch die Macht des Faktischen und durch den Zeitablauf zur Farce wurde.

Wie schrieb so treffend die Basler Nationalzeitung v. 28.05.1966 zum „10 Jahrestag der Verfassungsgerichtsentscheidung“ über die Durchführung einer Volksabstimmung:

“Es ist fast unglaublich, wie Bundesregierung und die Mehrheit der politischen Kräfte in Baden-Württemberg mit dem demokratischen Grundrecht der Selbstbestimmung umgehen, obwohl der Vollzug einen Verfassungsauftrag darstellt.
Welches Maß von moralischem Kredit, welch ein Grad von Glaubwürdigkeit erhoffen sich diese Politiker auf internationaler Bühne, wenn sie vom Selbstbestimmungsrecht reden, dasselbe aber einem Volksteil der Bundesrepublik vorenthalte.
...es ist inzwischen fast eine neue Generation herangewachsen und eine andere ist verstorben.
Gerade diese zeitliche Verzögerung und Verschleppung ist der besondere Frevel an einem demokratischen Hoheitsrecht..“     

Gemach, dies ist Schnee von gestern, und kein vernünftiger Mensch wollte im Ernst die Existenz des Südweststaates zur Diskussion stellen.
Doch ist der Vorwurf partieller badischer Benachteiligung nicht ganz von der Hand zu weisen.
Die Liste der Institutionen und Einrichtungen, die den badischen Landesteil verlassen mussten, ist lang und soll hier nicht nochmals aufgeführt werden.

Und eins ist unbestritten wahr: Die Machtzentrale liegt nun einmal in der Schwabenmetropole Stuttgart.

Doch statt in selbstquälerisches Lamento zu verfallen, ist das badische Ansinnen, im Rahmen einer europäischen Stärkung der Regionen, sich auf eigene Stärken und Interessen im Netzwerk mit den unmittelbaren Nachbarn zu besinnen ohne Zweifel der richtige Weg!

Es bleibt also der Blick nach vorn, über den Rhein hinweg und nach Europa.
Dennoch sei die Mahnung den schwäbischen und badischen (Polit-)Brüdern ins Stammbuch diktiert:
Nehmt Rücksicht auf die badische Befindlichkeit; Gerechtigkeit und Augenmass sei der Geist jeder Entscheidung.
Und noch eins!
Nur allzu leicht kommt so manchem Vertreter des öffentlichen Lebens die Floskel der „Badenfrage“ aus eigenen Profilierungsinteressen über die Lippen. Ein Verhalten das, wenn keine profunde Argumentation und kein wirkliches Interesse dahinter steht, der anderen Seite die glänzende Möglichkeit gibt, alle Begehrlichkeiten aus Karlsruhe mit dem Hinweis zu diskreditieren, „die Karlsruher (Badener) enthüllen wieder einmal die Fahne der Badischen Revolution.“ (OB Seiler) 
Dies ist kleinkariert und borniert.
Tja, die Instrumentalisierung der „Badenfrage“ treibt auf beiden Seiten seltsame Blüten.

Aber wie äußerte sich der ehemalige Bürgermeister von Karlsruhe so treffend:

"In der Tat kann man das Rad nicht zurückdrehen und einen selbständigen Staat Baden gründen. Dennoch und trotzdem" tue es in Karlsruhe jedes Mal weh, wenn dieses oder jenes Unternehmen dem Sog Stuttgarts unterliege, staatliche Institutionen verlegt oder andere Interessen vorgingen.
Er habe deshalb auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er persönlich zweimal für Baden votiert habe, bekennt Dr. Seiler: "Ich glaubte schon damals nicht daran, dass das in Aussicht gestellte gleichgewichtige Wachstum der. Landeshauptstädte' von Württemberg und Baden, nämlich Stuttgart und Karlsruhe, zu realisieren ist."  (Karlsruher Stadtzeitung vom 5.9.97)

...Fortsetzung folgt....

 

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