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  Harald Hurst
- der mit de Wurscht




Harald Hurst

 


1945 in Buchen geboren, 
hat keinen still dahinfließenden
Lebenslauf zustande gebracht.
Aufgewachsen im zerbombten
Karlsruhe, im "Dörfle".
Von dort stammt seine Sprache.
Als Moses zur See gefahren.
Um einige Illusionen erleichtert,
aber muskulöser und drastisch
aufgeklärt zurückgekommen.
Manche Lehrer an weiterbildenden
Schulen zur Verzweiflung gebracht.
Verschiedene Tätigkeiten zum Broterwerb.
Bis 1968 ein kurioses Abitur als
sogenannter Schulfremder gelingt.
Ausgedehntes und turbulentes Studium
der Romanistik und Anglistik in
Heidelberg und Mannheim.
Nach dem Examen keine Übernahme
in den Schuldienst.
Seit 1980 freier Schriftsteller und
ab und zu Journalist.

Preise und Auszeichnungen:

Einige Mundartpreise

Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg
Stipendium des Ministeriums für Kunst und Wissenschaft
Thaddäus -Troll-Preis

 

Harald Hurst will ein Autor zum Anfassen sein
von Matthias Kehle

Als Autor setzt er sich selbst eben enorm unter Druck, auch wenn er sich seit zehn Jahren vornimmt, dass beim nächsten Buch alles anders sein soll. In Zukunft wird er sein Manuskript dann abgeben, wenn es fertig ist und nicht mit dem Verlag einen Termin ausmachen, den er zweimal verschieben muss, weil er den üblichen privaten Zirkus und eine Lesung nach der anderen hat. Mit dem Schreiben ist es eben anders als wenn man ein Zimmer streicht und sich vornehmen kann: "So, das sind 30 Quadratmeter, in drei Tagen bist du fertig". Wenn "d' Leut" nach dem neue "Büchle" fragen, dann meinen sie, ein Dichter sitze den ganzen Tag an der Schreibmaschine und habe sonst nichts zu schaffen.
Im neuen Buch oder auch bei Auftritten mit dem Musiker und Kabarettisten Gunzi Heil kokettiert Harald Hurst gerne damit, daß jetzt keine Lesung stattfinde, sondern ein "Event", ein Begriff, der alles und nichts bedeuten kann. Wenn ein Veranstalter nicht weiß, was auf ihn zukommt oder den etwas verstaubten Begriff "Lesung" nicht verwenden möchte, schreibt er eben "Event". Auf jeden Fall klingt "Event" cooler als " Lesung". Hurst ist dabei ein wenig unsicher, was er denn eigentlich macht, wo seine Position "im Betrieb" ist. Mit Literatur hat es oft nicht mehr viel zu tun, und wenn er sich überlegt, welche Arten von Künstlern beispielweise in der Künstlersozialkasse sind, fühlt er sich mehr als Performer und eher mit Bauchtänzern und Gauklern verwandt, als mit Schriftstellern. Fest steht, daß die Auftritte von Hurst, Heil und mitunter auch dem Autor Kuno Bärenbold in im positiven Sinne Unterhaltung sind und weder nur Lesung noch Kabarett oder Musikkabarett. Er selbst bekam schon viele Etiketten wie "Geschichtenerzähler" oder "Entertainer", eine seiner Selbstdefinitionen ist "Wörterclown".
Nach den Lesungen oder wie immer man die "Events" mit Hurst & Co. nennt, drängt das Publikum nach vorne auf die Bühne oder an den Tisch und will ein wenig mit "seinem Dichter" reden, will teilhaben an seinem Leben - Hurst ist vielleicht ein bisschen in der Rolle von "Everybodies Darling". Bis zu einem gewissen Maß fühlt er sich dabei ganz wohl. Er möchte jemand zum Anfassen sein, sich aufs Publikum einlassen können, ohne dabei jedem seine Probleme auf die Nase zu binden oder sich alles anhören zu müssen. Auf der Bühne will er kein anderer Mensch sein als nach der Veranstaltung, wenn er mit "de Leut" ein oder zwei Viertel Wein trinkt. Wenn allerdings Freunde oder gute Bekannte zur Veranstaltung kommen, die er schon lange nicht mehr gesehen hat, haben diese keine Chancen, sich mit Hurst zu unterhalten - er zuckt unwillkürlich zusammen, wenn er bekannte Gesichter sieht. Die Abende enden oft nicht vor halb drei, und diese Nähe zum Publikum ist ein Grund, weshalb das Leben des Dichter-Entertainers Harald Hurst so anstrengend ist.
Mit der Mundart ist Hurst festgelegt auf bestimmte Typen und den Alltag, er muss seine Geschichten immer wieder neu erfinden. Zwischendurch kann er auch ein wenig lyrisch werden, aber einen Roman, der sehr ernst daherkommt, kann er in Mundart nicht schreiben, erst recht keine erotische Liebesgeschichte - in Mundart geht jede Erotik zum Teufel. So bleiben Hurst Geschichten und Gedichte von "de Leut", vom hier und heute, vom Alltag, der eben immer und überall ist.

Copyright © Matthias Kehle

 

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